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TigerWork

Verführung zur Freiheit
Ein neues Modul zur Radikalen Lebendigkeit

von Mari Stephani *)

1 März 2015, nach langen Vorbereitungen ist es soweit: TigerWork ist eines unserer neuen Module zur Eroberung Radikaler Lebendigkeit – speziell dem Themenkreis Grenze, Verteidigung, Aggression und Wut gewidmet, der noch immer eines unserer tiefen gesellschaftlichen, sozialen und spirituellen Tabus darstellt – während die Kriege in der Welt nicht enden wollen und wir einer mediale und gesellschaftliche Überpräsenz von Wut und Gewalt erleben.

TigerWork ist ein systematisches Training, um die Quellen für Verteidigung, Aggression und Wut wieder so fließen zu lassen, dass innere und äußere Konflikte als das erlebt werden, was sie sind, Herausforderungen und Einladungen zu tiefer Lebendigkeit und Präsenz. Das Training widmet sich damit der Los-Lösung von einer großen Wunde unserer Kultur: die eigenen Instinkte nicht nutzen, nicht einmal wirklich kennen zu dürfen, stattdessen die eigenen Kräfte bezweifeln zu müssen und weder sicher noch klar orientiert erleben zu können.

Seitdem sich in unserer Arbeit mehr und mehr herausstellte, in welchem Maße menschliches Erleben vom Nervensystem mit seinen verborgenen Dynamiken geformt wird, gab es das Forschen nach Möglichkeiten, um diese Kräfte zu öffnen und zu integrieren. Wir wissen: Je verborgener etwas ist –
je sorgfältiger wir in unserem Innern daran gehindert werden, etwas zu sehen und zu nutzen, desto mehr Kraft und Veränderung hält es für uns bereit.

Wenn wir wirklich NICHTS tun, was macht unser Organismus, wenn wir Angriffssituationen erleben? –
Die Antwort ist simpel: Er zeigt auf direkte und einfache Weise die in unserem Nervensystem, in unseren Instinkten angelegten Verteidigungsreaktionen. Diesen Bewegungen und unserem Vertrauen in sie ist dieses Seminar gewidmet. 
Ganz so wie wir blinzeln, wenn eine Mücke sich anschickt, uns ins Auge zu fliegen, oder wir einen Arm hochnehmen, wenn wir im Dunkeln durch dichtes Gebüsch gehen, oder die Hand von der heißen Herdplatte ziehen, oder zur Seite springen, wenn ein Auto unvermutet um die Ecke biegt und uns beinahe erwischt…

Unzählige Situationen
ließen sich erwähnen, in denen wir unsere gegebenen instinktiven Möglichkeiten nutzen – selbst beim Gehen oder Treppen-Steigen verlassen wir uns darauf, dass unser Stammhirn, unser Nervensystem und unser Körper und dessen Strukturen für uns managen, was angemessen ist. Die Zeit, in der wir aktiv unser Gehen und Steigen trainiert haben, liegt lange zurück. Die Bewegungen und Abläufe sind im Wunderwerk unseres Organismus längst autonom geworden. Erst durch akute Einschränkungen, z.B. durch einen Unfall, fällt uns wieder auf, über welch brillante und ganzheitliche Lebensfunktionen wir verfügen. Unser Organismus tut all dies selbstständig, ebenso wie er für uns atmet und verdaut und den Blutkreislauf in Gang hält, zum Glück und zur großen Bereichung unseres Lebens. Ca. sieben Billionen aktive Zellen und Fasern und einige Liter unterschiedlicher lebender Flüssigkeiten, die fraglos ihre Arbeit tun, während wir in Frieden und Weite in tiefer lebendiger Präsenz und Anwesenheit ruhen. Oder doch nicht? – Nun, das tun wir, sofern diese autonomen Reaktionen und Instinkte nicht umtrainiert, abtrainiert, blockiert oder eingefroren wurden.

Wie verhelfen wir den Instinkten, dem autonomen Nervensystem und unserem gesamten Organismus und Sein wieder dorthin zurück, wo wir uns fraglos auf es verlassen können und in ihm ruhen? Ein einfaches und gleichzeitig komplexes Tool dazu ist unser Seminar. TigerWork ist die Frucht von Ilans und meiner Recherche und dem gemeinsamen Lernen von Möglichkeiten, welche die Kräfte unserer Körper wieder bewohnen helfen und uns die friedliche Einfachheit von Tieren miteinander zurückschenken können.

Fündig wurden wir u. a. im Model Mugging, einer seit Jahrzehnten fokussierten Methode für Selbstverteidigung. Die Methode selbst entstand aus großer menschlicher Empathie. 1971 in den USA fiel der Startschuss für die Entwicklung von Model Mugging, und es war ein grausamer Startschuss. Eine Karatelehrerin, die den schwarzen Gürtel in ihrer Kampfkunst hatte, wurde vergewaltigt, und ihr Freund, Matt Thomas, ebenfalls Karatetrainer, war entsetzt. Niemand um dieses Paar herum war davon ausgegangen, dass ein solcher Vorfall geschehen könne. Warum hatte man denn dann all die Techniken gelernt und ausgefeilt?

Die Antwort ist letzten Endes sehr einfach: Karate lehrt nicht für die Straße und für das reale Leben. Es ist eine Bewegungskunst in ihrem eigenen künstlichen Raum – ein Kampfsport-Tanz mit festgelegten Haltungen und Bewegungen und wenig geeignet für die Bodenlage. Matt Thomas entwickelte in Folge zusammen mit vier KollegInnen eine Methode, die radikal auf den Ernstfall und hauptsächlich auf die Situation von Frauen zugeschnitten ist. Model Mugging war und ist bis heute eine der direktesten, intelligentesten und effizientesten Formen, um in kürzester Zeit und mit minimalem Aufwand ein Set aus Techniken zu verkörpern, die im Ernstfall funktionieren.

Wir hatten das große Glück, unterhalb der Kommerzialisierung und der Einverleibung durch Verbände und ehrgeizige neue Schulen direkt von einem Selbstverteidigungstrainer und Karatelehrer die Elemente dieser Methode lernen zu dürfen. Model Mugging ist DIE Antwort auf eine bisherige Lücke in unserer Arbeit: Wie gelangen wir Menschen raus aus dem Freeze, rein in die Wut und in angemessene Reaktionen, und zwar in konkreten, nicht in spirituellen oder therapeutischen Situationen? Wie kann ich den Zwang meiner Erstarrung lösen und komme an die Energien ran, die darin blockiert und gehalten waren? Wie können diese Energien integriert werden und meinen intakten Instinkten zur Verfügung stehen? Und wie kann ein Raum aussehen, der sicher genug ist, um mich zu lehren, mich im Ernstfall von Hier-Sein-Müssen auch hierbleiben zu lassen?

TigerWork: Die Fusion von Model Mugging mit unserer bisherigen spirituellen, körper- und traumaorientierten Arbeit ergibt ein Format, das über ein Training zur Selbstverteidigung hinausgeht. Es ist die physische Erlaubnis, die eigenen Instinkte und Bedürfnisse wieder anzuerkennen, wieder zu erwecken – sie erwachen zu lassen – ohne Identifikation, Anhaftung und Abhängigkeit. Daher ist „Selbstverteidigung“ für uns nicht der passende Begriff. Es geht bei TigerWork letztendlich gar nicht um Verteidigung und auch nicht um ein wie auch immer geartetes Selbst, das ich habe oder bin und das verteidigt werden müsste. Vielleicht ist das nicht ganz einfach zu verstehen, denn es muss zuerst im eigenen Organismus erlebt werden, dass die Fähigkeit, unmittelbar die eigenen Grenzen zu erleben, angemessen zu reagieren, gegebenenfalls zu verteidigen und aus der angemessenen Gegenwehr zu kämpfen, erst ermöglicht, sich wirklich tiefgreifend grenzenlos mit allem verbunden zu fühlen und voraussichtlich nie bzw. nur sehr selten tatsächlich kämpfen zu müssen. Das Leben selbst kennt keine Attacke, es kennt alleine Veränderung. Veränderung wird solange als bedrohlich, unfrei und unfriedlich erlebt, solange auf sie nicht angemessen reagiert werden kann.

 

*) Dieser Text wird orientiert an open source digital veröffentlicht: Der Text kann also frei verbreitet, kopiert und zitiert werden, bitte unter der Voraussetzung, dass stets die Quelle angegeben wird und zugänglich bleibt, also Website und Autor: mari stephani  / mariposa.vc, möglichst mit Verlinkung. Es sind damit keine Zahlungsverpflichtungen gegen einen Lizenzgeber verbunden. (Das ist keine Druckfreigabe). Spenden sind willkommen. Kontakt: mari@mariposa.vc.

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